Das Weihnachten meiner Kindheit

Neues Kochbuch Torten aus einem Teig. Learn more

Bevor wir Mädels, das heisst meine 3 Schwestern und ich, verheiratet waren, und bevor wir in die verschiendenen Teile Europas gezogen sind, verbrachten wir frohe und besinnliche Weihnachten mit einigen auserkorenen Tanten und Onkels und vor allem meinem Grossvater väterlicherseits bei meinen Eltern in Niederösterreich!

Was waren das für Zeiten! Alle Gäste kamen um den 22. Dezember herum an. Wir Mädels hingen am Fenster und eiferten um die Wette, wer denn zuerst die Scheinwerfer unseres Onkels und meines Grossvaters väterlicherseits in der Ferne erblicken konnte, bzw die Rückkehr meines Vaters der die anderen Gäste vom Bahnhof abholte!

Und war das immer ein Hallo! Alle brachten immer irgendeine Spezialität aus ihrer Ecke der verschiedenen Länder mit. Von Cervelatwurst, über Mettenden, etc. Die wurden dann üblicherweise vor das Küchenfenster im ersten Stock, oder auf die Galerie gelegt, mit der Warnung an alle, nicht davon zu naschen. Natürlich war vor allem die Cervelatwurst zum Beispiel innerhalb der ersten 3 Tage weg!

Hier auf der Galerie waren die Sachen so gut aufgehoben wie im Kuehlschrank. Man musste nur aufpassen dass nicht die Hunde aus versehen hinaus gelassen wurden. Das ist mir einmal passiert und endete sehr traurig für Wurst und Dessert!!!

Die Gäste wurden in ihre Zimmer geführt wo meine Mutter kleine Schälchen mit Keksen und Tannengrün und Wasserflaschen mit Gläsern für jeden hergerichtet hatte.

Kekse aus eigener Produktion sowie aus der Produktion begabter Baeckerinnen aus unserem Dorf.

Danach trafen wir uns normalerweise immer in der Küche. Mein Grossvater war großartig und immer hilfsbereit. Besonders das Kartoffelschälen war seine Spezialität. Keiner von uns war besonders scharf auf diese Arbeit, aber wir standen in der Küche, die Erwachsenen mit dem Glas ihres Lieblingsgetränkes, wir Mädels einfach nur so um inmitten des Trubels zu sein und natürlich auch um zu helfen. Meine Eltern und wir waren ein grossartiges Team im Kochen, und bei so vielen Leuten war es wichtig organisiert und koordiniert zu sein. Die Koordination ging übrigens von meinem Vater aus. Er machte schon Wochen vorher Menus fertig, an die sich auch gehalten wurde. Aber gekocht wurde immer zusammmen und die Küche , die Gott sei Dank gross genug war, war immer der Mittelpunkt des Hauses.

Am 23. Dezember wurde dann der grosse Christbaum in den Saal getragen. Da wurden dann alle Männer damit beauftragt, da eine 4m50 grosse Tanne doch so einiges wiegt. Auch wir Schwestern wurden herbeigeholt. Da mussten Türen geöffnet und Böcke aufgestellt werden um den Baum abzulegen und den Stand zu befestigen.

Gott sei Dank wurde der Baum in den letzten Jahren immer geliefert!

Und dann wurde der Baum aufgestellt. Jedes Jahr unter dem Oh und Ah der gesamten Belegschaft! Und jedes Jahr war dieser Baum der Schönste den wir je hatten! Aber geschmückt wurde nicht! Wir halfen nur dem Christkind die schwere Last zu tragen, aber in unserem Haushalt schmückte, und schmückt nach wie vor, immer das Christkind den Baum. Das heisst ab dem 23. 12 ist das Zimmer mit dem Christbaum abgesperrt.

Natürlich wussten wir ab einem gewissen Alter wer das Christkind war. Genauso wie meine Söhne nach uns, haben meine Schwestern und ich durch die Fenster der Galerie in den Saal gelugt und bei den Vorbereitungen zugesehen. Ich wusste natürlich durch eigene Erfahrung Bescheid, dass so etwas passieren kann, fand aber diese Art für Kinder herauszufinden was Sache ist netter als ein kaltes „es gibt es nicht“. Als mein Ältester mit 8 Jahren zu mir kam und sagte, dass er wüsste was los sei, antwortete ich dass er es besser für sich behielte, weil seine Mutter ganz sicher nicht so grosszügig mit Geschenken sei wie das Christkind. Bis heute behauptet er steif und fest, dass es das Christkind gibt – jaja er ist ein kluger Junge!

Am 24.12 fanden wir uns also dann immer im Salon ein, alle in ihren schönsten Kleidern (mit 4 Mädels und Tanten und Onkels war das Gerangel um die Badezimmer immer gross) und warteten wieder mit einem Getränk in der Hand auf das Klingeln des Glöckchens des Christkinds das uns ansagte dass die Bescherung nun stattfinden konnte.

Der letzte Christbaum vor dem Umzug in mein geliebtes Salzburg war tatsächlich der Schönste.

Und dann wurden die Türen geöffnet und wir Kinder wurden zuerst in den verdunkelten Raum hineingeschickt. Heute noch freut mich das OOOHHH der kleinen Kinder wenn sie am Heiligabend zum ersten Mal den schön geschmückten und hell erleuchteten Christbaum sehen.

Wir versammelten uns vor dem Christbaum und einer der Anwesenden las das wunderschöne Weihnachtsevangelium beim Licht einer kleinen Lampe. Danach wurde Stille Nacht, Heilige Nacht gesungen. Als einer der Brüder meiner Mutter mit uns feierte, waren wir sehr gut dran, da er wunderbar Klavier auf dem Klavier meiner Urgrossmutter spielte und unsere Singerei im Takt hielt. Als er dann seine eigene Familie hatte und nicht mehr kam war das Singen etwas abenteuerlicher!

Im Saal stand dann auch ein mit weissem Tischtuch bedeckter Tisch der sich unter den Geschenken bog wie das halt mit kleinen Kindern so ist. Je älter wir dann wurden umso kleiner wurden die Päckchen weil ja ein Buch nicht so gross ist wie eine Packung Bauklötze. Jedem Mitglied der Weihnachtsgesellschaft war ein Platz bestimmt an dem er seine Geschenke finden konnte.

Der Christbaum und die Gabentische erwarten uns

Natürlich hatten die Kinder immer am Meisten, aber die Erwachsenen tauschten ebenfalls Kleinigkeiten aus. Und den Erwachsenen war es immer eine Freude zuerst den Kindern beim Auspacken zuzusehen. Dann machten die Erwachsenen ihre Geschenke auf, aber meine Eltern waren immer dabei um zuzusehen und sich mit den anderen über die Geschenke zu freuen. Als Kind habe ich nie verstanden wieso, aber seit ich selbst Erwachsen bin weiss ich warum. Die Freude am Geben ist tatsächlich größer als die Freude am Nehmen.

Spiele unter dem Christbaum

Nach dem Öffnen der Geschenke und anfänglichem Spielen wurde dann zum Essen gerufen. Ganz am Anfang gab es bei uns immer Würstchen mit Kartoffelsalat so wie meine väterlichen Grossmutter das auch immer gemacht hatte. Dieses Das grosse Essen war am 25. Dezember mit weiteren älteren Verwandten. Man konnte den Kartoffelsalat herrlich 1 – 2 Tage im Vorhinen vorbereiten, die Würstchen blieben im heissen Wasser warm bis zum Servieren. In vielen deutschprachigen Familien ist es immer noch Tradition am Heilig Abend Würstchen und Kartoffelsalat auf den Tisch zu bringen.  Das einfache Essen am Heiligen Abend hat wahrscheinlich religiöse Wurzeln: Im frühen Christentum wurde nämlich nicht nur vor Ostern, sondern auch vor Weihnachten gefastet, um an die Armut der Heiligen Familie zu erinnern. Das so genannte Philippus-Fasten vor Weihnachten, auch „kleine Fastenzeit“ genannt, endet mit dem Besuch der Christmette. Am 25. Dezember wird dafuer geschlemmt!

Ich freue mich mit euch das Rezept des Kartoffelsalates der Familie meiner Mutter zu teilen. Es ist der französischer Kartoffelsalat. Zumindest heisst er bei uns so. Als mein französischer Ehemann zur Familie kam, meinte er sehr bestimmt dass dieser Kartoffelsalat keineswegs ein französischer Salat sei. Mittlerweile bin ich dem Mysterium auf die Spur gekommen. Dieser Salat, genannt Salade Olivieh, wurde im späten 19. Jahrhundert von einem belgischen Chef erfunden. Dieser Chef namens Monsieur Olivieh arbeitete im berühmten Restaurant Hermitage in Moskau. Sein Salat ging um die Welt und ist heute in der einen oder anderen Form in jedem Land bekannt. Dies ist die Variante aus dem Haus meinen Wiener Urgrosseltern mütterlicherseits, die ihn am Anfang des 20. Jahrhunderts wohl von einer ihrer Reisen mitbrachten, und aus dem Salade Olivieh der Einfachheit einen französischen Salat machten, unter dessen Namen er dann bei uns beibehalten wurde.

Bis heute wird dieser Salat auf fast allen Partys bei uns gemacht. Er ist ideal für Buffets und hat bei uns auch auf den Weihnachtsfeiern für die Angestellten des Betriebes, die damals immer bei uns, und mit uns Kindern gefeiert wurde, nie gefehlt. Lange Tische im ausgeräumten Saal um die alle herum sassen und wo gemütlich zusammen gefeiert wurde.

Französischer Kartoffelsalat

  • 1 kg festkochende Kartoffeln
  • 115 g saure Gurken
  • 220 g Karotten und Erbsen aus dem Glas
  • 2 kleine Äpfel
  • Für die Salatsauce
  • 160 g Mayonnaise
  • 160 g Joghurt
  • Salz, Pfeffer nach Geschmack
  • 1 Zitrone

Die Kartoffeln mit Schale kochen oder dämpfen und dann leicht abgekühlt pellen und in Scheiben schneiden. Äpfel schälen.

Saure Gurken, Karotten und Äpfel in kleine Stücke schneiden und mit den Erbsen zu den Kartoffeln geben.

Für die Salatsauce die Mayonnaise, das Joghurt und die Zitrone vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dieser Salat hält an einem kühlen Ort 1 – 2 Tage und muss ein bisschen ziehen bevor man ihn isst.

Bei uns gibt es Wiener Würstl dazu!

Als wir größer wurden, wandelte sich auch das Menu vom 24. Dezember. Es wurde jedes Weihnachten Heisser Stein gemacht und als ich anfing vegetarische Präferenzen zu entwickeln wurde es kurzer Hand zu Raclette, da auf diese Art und Weise jeder auf seine Kosten kam. Zwischen einer Auswahl von verschiedenen Fleischstuecken, Raclettekaese, zweierlei Saucen, Baguette, Kartoffeln und Salat wurde es innerhalb einiger Jahre von einem Fastengericht zu einer vollkommenen Schlemmerei.

Was auch immer ihr an Weihnachten macht, ich bin sicher dass es allen schmecken wird. Dieses Jahr hat uns vielleicht gelehrt, zufrieden und gluecklich zu sein wenn man seine Familie um sich hat, und sich des grossen Glueckes bewusst zu werden, im Kreise seiner engsten Familie Weihnachten zu verbringen. Auf das wir naechstes Jahr wieder im gewohnten Rahmen mit unseren Lieben feiern duerfen!

Ich hoffe dieser kleine Rueckblick in meine Kindheit hat euch Freude beim Lesen bereitet, so wie es mir eine unglaubliche Freude und auch Trost bereitet hat es fuer meine Kinder und mich und allen noch Lebenden Teilnehmern an unseren Weihnachtsfesten aufzuschreiben. An dieser Stelle möcht ich ganz besonders meinen wundervollen Eltern danken, die mir diese wunderbaren, unvergesslichen Erinnerungen geschenkt haben! Danke von ganzem Herzen Mami und Papi!

Euch allen ein wunderbares Weihnachtsfest, auch wenn es nicht wie gewohnt gefeiert werden kann. Telefoniert mit den Menschen die ihr gerne habt, speziell diejenigen die ohne ihre Familien feiern muessen!

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In dieser wunderbaren Kirche in Niederösterreich durfte ich auch am 31. Dezember 2001 unter meinen geliebten Christbäumen meinen besten Freund und grosse Liebe heiraten. Die Weihnachtszeit spielt bei mir wirklich die größte Rolle schlechthin!

6 Kommentare zu „Das Weihnachten meiner Kindheit

  1. Liebe Caroline,
    mein liebes Patenkind hat sich gerade ganz begeistert für Dein wunderschönes Kuchenrezepte – Buch bedankt, das von Euch so lieb verpackt und geschickt worden ist.
    Anlässlich ihrer großen Freude, suchte ich auch schnell noch Deinen Link heraus, um ihn ihr zu schicken und stieß auf Deinen bezaubernden Weihnachtslink, den ich im Trubel der Weihnachtsvorbereitungen ja komplett vergessen hatte. Was für ein Zauber und was für eine herrliche Erinnerung! Auch für meine Familie, die samt unseren kleinen Kindern(!!) zu Deiner prachtvollen Hochzeit eingeladen wurde, was für alle immer ein unvergessliches Erlebnis sein wird.

    Alles Liebe Dir, Gott behüte Dich und Deine liebe, große Familie. Ich weiß nicht, woher Du die Zeit nimmst, für Deine köstlichen Koch-Ideen, diese Appetit machenden Bilder und jetzt das Buch, aber nimm sie Dir bitte irgendwie weiterhin, zu unser aller Freude!!
    Deine Cousine,
    Danielle

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